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Tammus und Aw
 
tammus
 
 

Der Talmud erzählt uns im Traktat Bava Kamma folgende Geschichte: Nechunja war ein Brunnengräber, der sich dafür verantwortlich fühlte, den Besuchern Jerusalems, die für die Feiertage kamen, zu Trinkwasser zu verhelfen. Eines Tages fiel seine Tochter in den Brunnen und man lief schnell zu Rabbi Chanina, damit er für ihr Wohl und ihre Rettung beten sollte. Dieser meinte, dass man sich keine Sorgen machen soll und das Mädchen gesund zurückkommen werde. Als dies bald darauf tatsächlich geschah, fragte man das Mädchen, was im Wasser passiert sei. Sie antwortete, dass sie einen alten Mann mit einem Widder gesehen habe, der ihr aus dem Wasser geholfen hätte. Raschi erklärt dazu, dass es sich um unseren Stammvater Awraham mit dem Widder der Akedat Jitzchak gehandelt habe, in dessen Verdienst das Mädchen gerettet wurde. Als Rabbi Chanina gefragt wurde, woher er denn so sicher gewesen sei, dass das Mädchen nicht sterben würde und ob er vielleicht prophetische Gaben habe, antwortete er, dass die Tochter desjenigen, der sich um den Brunnen bemüht, unmöglich durch den Brunnen ihr Leben verlieren könne.

Es scheint, als gäbe es zwei unterschiedliche Gründe für die Rettung des Mädchens. Zum Einen war es das Verdienst Awrahams, doch zum Anderen war die Ansicht des Rabbi Chanina, dass es das Verdienst des Vaters selbst war, weil er eine gute Tat getan hatte und damit den Menschen, die nach Jerusalem kamen, einen gewissen Komfort gab.
Mehrmals erwähnen wir in unseren Gebeten, dass wir G“ttes Gnade im Verdienst unserer Väter erreichen wollen. Auf deren Verdienst können wir uns wirklich stützen und wir werden dadurch als Nation zu etwas ganz Besonderem.
Doch muss jeder g“ttliche Segen einen gewissen Weg durchlaufen, damit er uns erreicht, selbst wenn er auf einem Verdienst beruht. G“ttes Segen ist etwas Geistiges und nicht Greifbares. Er soll uns in der materiellen Welt helfen. Daher braucht jeder Segen etwas Materielles, damit er von etwas Geistigem zu etwas Weltlichem werden kann.
G“ttes Segen entstammt Seiner Güte, die unbegrenzt ist und ausdrückt, dass Er uns immer nur das Beste geben will. Die Güte entströmt Ihm kontinuierlich, aber ein Mensch muss einen Weg finden, den Kanal der g“ttlichen Güte in seiner Richtung fließen zu lassen. Der Grund für die unaufhörliche Güte G“ttes für uns liegt im Verdienst unserer Stammväter, den Glauben an G“tt gefunden zu haben. Sie haben diesen Weg beschritten und das Versprechen der Güte erhalten.
Allerdings muss jeder Mensch sein Teil dazu beitragen, diesen Segen zu erhalten. Sicherlich wurde Nechunjas Tochter gerettet, weil sie Teil unserer Nation war und als G“ttes Kind Sein Versprechen verdiente. Der Grund aber, den Rabbi Chanina nannte, warum gerade bei ihr das Versprechen eingelöst wurde, lag darin, dass ihr Vater sich um das Wohlbefinden anderer Menschen gekümmert und damit den Segen in seine Richtung gelenkt hat.
Die Tatsache, dass ein Segen einen Ort in unserer materiellen Welt braucht, ist eine der Erklärungen und Einblicke in die Bedeutung des Landes Israel für uns. Wir wissen, dass Eretz Jisrael das Land ist, in dem Milch und Honig fließt, denn dort kann G“ttes Segen zum Ausdruck kommen.
Wir stehen vor den Wochen der Trauer über die Zerstörung des Tempels. Der Tempel war der Ort, wo wir dem Kanal des Segens nahe waren. Dort war die Quelle für alles. Unsere Weisen schreiben, dass Jerusalem „Tel Talpioth“ genannt wird – der Ort, wo alle zu Ihm beten und wo sich alle versammeln. Alles geht durch diesen Ort.
In Dewarim 4:7 fragt die Tora, wer so groß wie unsere Nation ist, der G“tt so nahe steht. Dazu erklärt der Midrasch, dass G“tt gleichzeitig nah und fern ist so wie auch Götzen nah und fern sind. Der Götze ist nämlich nah, denn er steht im Zimmer. Doch wenn man ihn anfleht, hört er nicht, weil er weit weg ist. Allerdings ist es anders, wenn es um G“tt geht. G“tt ist weit weg von uns im Himmel, aber wenn wir uns an Ihn wenden, ist Er uns nahe und hört unser Gebet. G“tt ist für uns unfassbar und unerklärlich. Doch wenn wir beten und Mitzwot tun, können wir Seine Nähe spüren. Jeder Mensch, der sich wirklich auf eine Mitzwa einlässt, spürt diese Nähe.
Es ist unsere Aufgabe im Leben, uns G“tt zu nähern und Ihn in unser Leben zu verpflanzen. Selbst wenn wir Dinge im Leben lernen, die den Alltag repräsentieren, können wir dabei lernen, das Alltägliche zu etwas Heiligem in unserem Leben zu machen. Sogar im Umgang mit profanen Angelegenheiten wie Diebstahl oder Streit können wir lernen, wie ein Mensch G“tt näher kommen kann.
Der erste und der zweite Tempel wurden in diesen Wochen des jüdischen Jahres zerstört und das jüdische Volk musste ins Exil gehen. In dieser Zeit spüren wir, wie fern uns G“tt ist. Es ist unsere Arbeit zu versuchen, G“tt näher zu bringen. Erst wenn der Tempel wieder stehen wird, werden wir die Möglichkeit haben, Ihm wirklich nahe zu sein. Doch auch jetzt müssen wir uns der Herausforderung stellen, dies zu erreichen. Jeder Mensch kann in sich eine Ebene schaffen, auf der er diese Nähe spüren kann. Das kann man nicht nur in Israel tun, sondern jeder kann sie sich in seinem tiefen Inneren erarbeiten. Er muss das Gefühl haben, dass es dort einen Raum gibt, wo er den Segen empfangen kann.
 
 
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