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Erste Pessachschritte, mit Bonus?

Ein Baal Tschuwe vor Pessach

Hat man als Baal Tschuwa eigentlich einen Bonus, wenn es um die Strenge der Auslegung eines Gesetzes geht? Gerade vor Pessach ist dies eine wichtige Frage. Muss man wirklich jeden Krümel Chometz finden? Am Ende gibt man sowieso die Reste, die man nicht gefunden hat, frei, vielleicht kann ich die Sache ja etwas lockerer angehen als meine Nachbarn in Mea Schearim. Ich habe mit dem Pessachputz noch nicht begonnen, aber schon der Gedanke daran macht mir Angst und das, obwohl ich nicht gerade auf großer Fläche lebe. Vielleicht ist es einfach nur die normale Angst allein lebender Männer vor dem Putzen im Allgemeinen, aber ich würde lieber einige Tage fasten als zu putzen.


Es fragt aber niemand nach meinen Vorlieben und ich muss mich wohl damit abfinden eine Mitzwa zu tun, die mir nicht behagt. Aber ist das nicht gerade das Gute am System der Mitzwot? Auch wenn es nicht immer einfach ist und uns manchmal gegen die Bequemlichkeit geht, ist doch jede Mitzwa eine gute Sache. Sogar ich muss zugeben, dass mein Zimmer eine Reinigung gebrauchen könnte, auch wenn das nur eine oberflächliche Betrachtung dieser Mitzwa ist.

Ein israelischer Freund von mir, der in Tel Aviv als Anwalt arbeitet, hat mir diese Geschichte erzählt, als ich ihn zu einem Rabbi zum Schabbes einladen wollte: ein satter Hund bietet einem hungrigen Wolf an, zu ihm zu ziehen. Daraufhin fragt der Wolf, was denn das Ding um den Hals des Hundes sei und der Hund antwortet, dass das ein Halsband sei, das es dem Herren ermöglicht, seine Bewegung zu kontrollieren. Daraufhin zuckt der Wolf mit den Schultern und antwortet: „Da bleibe ich lieber hungrig, aber frei!" und läuft zurück in den Wald.

Diese Anekdote verdeutlicht sehr gut, wie viele Israelis über das Judentum denken. Ich kann mir auch gut vorstellen, wie mein Freund als Schüler seinen Religionslehrer gefragt hat, warum man eine bestimmte Mitzwa tun soll und der Lehrer geantwortet hat, dass es eben ein Gesetz sei, das man befolgen muss. So eine Antwort würde mich auch in die Flucht treiben. Aber wenn man wirklich erklärt bekommt, warum man die Mitzwot befolgen soll, sieht die Sache ganz anders aus. Die Tora bietet ja nicht nur eine Erklärung an, sondern gleich mehrere und auf verschiedenen Ebenen, so dass man sich fast schon eine Begründung aussuchen kann, die Mitzwot zu erfüllen. Am Beispiel Pessachputz kann man dieses Prinzip gut erkennen. Für emotionale, spirituelle Menschen ist die Entfernung von Chometz ein Symbol für die Befreiung von der Sklaverei der materiellen Welt, die durch Mitzrajim repräsentiert wird. Für Andere repräsentiert Chometz Stolz und Arroganz, während Matze für Bescheidenheit steht, es ist also auch ein Mittel, an sich selbst zu arbeiten und sich zu vervollkommnen. Ich bin ein eher praktischer Mensch und begründe den Pessachputz vor allem mit der Notwendigkeit, mein Zimmer zumindest einmal im Jahr gründlich zu reinigen. Und das nicht nur oberflächlich, sondern mit starken Säuren, damit die Maus, die vor einigen Wochen auf meinem Bett herumgelaufen ist, nicht wiederkommt. Dann gibt es natürlich noch eine kabbalistische Erklärung der Mitzwa und noch das Prinzip von Belohnung und Bestrafung für das Einhalten der Mitzwot, das wir vielleicht erst nach dem Tode realisieren werden.

Ist ein religiöser Mensch nun ein Hund an der Leine? In gewissem Sinne schon, denn die Mitzwot steuern das Leben eines Juden und führen ihn in bestimmte Richtungen. Auch wenn man keine Lust darauf hat, wie ich mit dem Putzen, befolgt man die Mitzwot. Der Unterschied zum Hund ist jedoch, dass man seine Leine jederzeit ablegen kann, die versprochene Strafe tritt in der Regel nicht sofort ein und man kann ein Leben führen, das die Konsequenzen seiner Handlungen verdrängt. Wichtiger ist jedoch, dass man, im Gegensatz zu einem Hund, verstehen kann, warum man in eine bestimmte Richtung geführt wird. Wenn man also weiß, wie das Leben und die Welt funktionieren, wird man freiwillig in die Richtung gehen, die der Herr vorschreibt.

Aber was ist jetzt mit meinem Baal Tschuwa-Bonus? In der Parabel des Hundes ausgedrückt, habe ich mich zwar dazu entschlossen, meinem Herrn zu folgen, aber ich fordere Rücksicht für meine schwächliche Konstitution. Ein Bonus würde bedeuten, dass ich Pausen machen kann, wann ich will, vielleicht sogar die Richtung ein wenig mitbestimmen kann. Aber wenn ich an die Gründe für die Mitzwot denke, will ich dann den Bonus überhaupt noch? Sollte ich nicht lieber vorauslaufen und das tun, was besser für mich ist? Gerade dies erfordert jedoch die Überwindung des Hundes in mir.

 
 
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