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Wer ist heute noch frei?

Pessach - echt wirklich richtig frei

 

Wir feiern Pessach als Erinnerung an den Auszug der Juden aus Ägypten und die vielen Wunder, die dabei passiert sind. Die Spaltung des Meeres zum Beispiel hat schon damals internationale Schlagzeilen gemacht. Schön und gut. Aber kann ich mich nicht einfach so erinnern - warum muss ich deswegen leiden und auf Brötchen und Nudeln verzichten? Und dabei so weit gehen, das ganze Haus von Krümeln von Chametz, Gesäuertem, zu befreien?

Das Stichwort hier ist „befreien" - denn darum geht es an Pessach. Pessach in seiner Gesamtheit lässt sich in folgendem Satz zusammenfassen: wir waren Sklaven bei Pharao in Ägypten, und jetzt sind wir frei.

Nun leben wir ja G-tt sei Dank alle in Freiheit. In der westlichen Welt ist niemand versklavt, und wir können tun und lassen, was wir wollen, beschränkt nur durch das Gesetz. Niemand ist versklavt. Niemand... auf den ersten Blick.

Wie ist es mit Abhängigen? Menschen, für die sich alles um Drogen, Alkohol, das Casino dreht? Oder, weniger dramatisch, um Zigaretten, Arbeit, Aktienkurse, das Handy, das Checken von e-Mails, das Auto? Sind solche Menschen nicht dem jeweiligen Objekt ihrer Sucht versklavt? Sind sie wirklich frei, einfach nicht mehr zu rauchen (auch wenn sie sagen: „ich könnte jederzeit aufhören, wenn ich wollte")? Für ein paar Tage in die Berge zu fahren ohne Internet und Handy-Empfang?

Was ist mit uns? Leben wir jeden Moment so, wie wir wirklich, in unserem tiefsten Inneren, sein wollen? Oder „müssen" wir bestimmte Kleidung tragen, einen bestimmten Eindruck machen, Karriere machen, das neueste technische Gadget haben? Sind wir Sklaven von Normen, die absurd sind, von Verhaltensweisen, die wir lieber nicht hätten, aber uns angewöhnt haben oder die uns anerzogen wurden?

Sind wir frei, der Mensch zu sein, der wir uns am Ende unseres Lebens wünschen werden, gewesen zu sein? Sind wir frei, das Beste aus uns selbst zu machen? Oder sind wir Sklaven von materiellen Standards und Wünschen, werden wir getrieben von dem Bedürfnis nach immer mehr, besser, größer?

Wir alle wollen im Grunde das Richtige tun. Der alten Frau über die Straße helfen, unseren Freunden in Krisen beistehen, gut zu unseren Familien sein und den hungernden Kindern in Afrika (oder wie wär's mit Israel?) helfen. Aber manchmal tragen wir schwere Einkaufstüten und können damit keine fünf Minuten lang über eine Straße gehen, manchmal wollen wir wirklich unsere Lieblingsserie zu Ende schauen, wenn an der spannendsten Stelle eine Freundin anruft und über ihre Probleme sprechen will, manchmal brauchen wir das Geld für ein Laptop oder ein neues Handy und können es nicht für hungernde Kinder ausgeben. Sind das wirklich wir? Ist es wirklich das, was wir über uns gesagt wissen wollen, wenn wir eines Tages nicht mehr da sind?

Dieses Problem beschäftigte auch unsere Weisen im Talmud (Brachot 7b): „Meister des Universums, es ist offenbar und bekannt vor Dir, dass unser Wille ist, deinen Willen zu tun. Was hält uns davon ab? Die ‚Hefe im Teig'."

Raschi, einer der wichtigsten Kommentatoren, erklärt, dass mit „Hefe im Teig" die negative Seite des Menschen gemeint ist. Sie verunreinigt unsere Herzen und macht „Chametz" aus uns. Unsere Weisen lehren uns hier, dass Chametz den negativen Trieb symbolisiert.

Der Sefer haChinuch geht einen Schritt weiter und erklärt, dass Chametz eigentlich zwei sehr spezifische Aspekte des negativen Triebs repräsentiert: Faulheit und Arroganz.

Was ist die Verbindung zwischen Faulheit und Chametz? Zeit. Chametz und Matza haben genau die gleichen Zutaten - der Unterschied liegt in der Zeit. Mehl und Wasser, die innerhalb einer bestimmten minimalen Zeit verbacken werden, werden Matza. Ein Moment über diese minimale Zeit hinaus - und das Ergebnis ist Chametz. Zeit - etwas hinausschieben, verlängern, Faulheit - führt zu Chametz.

Und wie symbolisiert Chametz Arroganz? Der Sefer HaChinuch erklärt, dass das Merkmal von Hefe ist, dass sie aufgeht - sie macht den Teig aufgeblasen. So ist auch ein arroganter Mensch aufgeblasen - die Substanz ist wenig, aber es gibt viele Luftblasen.

An Pessach werden wir freie Menschen. Wir reinigen unsere Wohnungen, wir reinigen unsere Herzen, wir reinigen unser Leben von den Unfreiheiten, die es enthält. Wir können sein, wer wir wirklich sein wollen, wir sind nicht mehr Sklaven unserer eigenen Faulheit und Arroganz. Darum geht es an Pessach - als freie Menschen am Tisch zu sitzen. Denn wirklich frei ist nur, wer sich selbst bezwingen kann.

 
 
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