A Free Template From Joomlashack

A Free Template From Joomlashack

Gedanken über Jom Kippur

kippur

Jede Tat und jedes Ereignis in unserer Welt bringen Folgen mit sich. Auch unsere Taten, Gespräche, ja sogar unsere Gedanken haben Folgen – gute oder schlechte Folgen. Wir können keine Tat, kein Wort und nicht einmal Gedanken zurückziehen. Was geschehen ist, ist geschehen, was gesagt ist, bleibt gesagt, was gedacht wurde, bleibt im Gedächtnis. Und oft wünschten wir, wir hätten dieses nicht getan oder jenes nicht gesagt, aber es ist zu spät, wir haben Schaden angerichtet.

G”tt hat dem Menschen einen höheren Status gegeben als den anderen Lebewesen. Wir Menschen haben die Möglichkeit, konkret, aber auch abstrakt zu denken und aufgrund unserer Gedanken zu planen und Entscheidungen zu treffen. Wir können uns dafür entscheiden, eine Sache zu tun oder zu lassen. Weiterhin hat uns G”tt die Sprache geschenkt, und das nicht nur als primitives Kommunikationsmittel, um zu überleben, sondern um bewusst Gedanken und Gefühle auszu¬drücken. Diese so wertvollen Geschenke G”ttes bürden uns Menschen eine sehr große Verantwortung auf.

Im Vergleich steht bei den Tieren, selbst den Affen, bei der Steuerung des Verhaltens der Instinkt, also vererbte Verhaltensmuster, im Vordergrund. Sicherlich haben Tiere Gefühle und auch eine begrenzte Fähigkeit, Aufgaben in ihrem Alltag und ihrer Umwelt zu lösen und sich anzupassen. Jedoch fehlt jeder Hinweis dafür, dass Tiere die Möglichkeit haben, eine Entscheidung aufgrund abstrakter Konzepte zu fällen. Auch sind ihre Kommunikations-möglichkeiten sehr eingeschränkt. Dadurch sind die Tiere keiner Moral verpflichtet und können keine Schuld auf sich laden.

Der Mensch hingegen ist anders. Die Fähigkeit zu entscheiden und zu sprechen, ermöglicht es ihm, Vieles zu erschaffen oder zu vernichten. Wir haben die Wahl aufzubauen oder zu zerstören, Gutes oder Schlechtes zu tun. Diese freie Wahl beinhaltet automatisch moralische Verantwortung und Schuldfähigkeit. Wir müssen uns vor unseren Mitmenschen, vor uns selbst und letztlich vor G”tt verantworten.

Jeder von uns hat bestimmte Fähigkeiten. Wir alle haben spezielle Gaben. Obwohl man an allen seinen Fähigkeiten arbeiten und sie verbessern kann, hat jeder Mensch grundlegende Fähigkeiten, die angeboren sind und ihm von Natur aus speziell liegen. In erster Linie liegt es an uns, unsere Fähigkeiten zu erkennen und sie dann auf die richtige Weise zu nutzen. Unsere Gaben zu erkennen ist an sich schon eine Aufgabe, die Zeit und Geduld benötigt, doch verglichen mit ihrer richtigen Anwendung verblasst diese Herausforderung schnell. Leider leben wir heute in einer Welt, die eine sehr individualistische, ja egoistische Sichtweise der Lebensführung hat. Uns allen geht es meist nur darum, unsere eigenen Ziele zu erreichen, eigene Träume zu verwirklichen und eigene Gelüste zu befriedigen. Heutzutage laufen wir den sinnlichen Gelüsten nach. Wir wollen Geld haben, hübsch aussehen, Ruhm und Ehre genießen …

Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren eine Umfrage gelesen habe, die an der Harvard University durchgeführt worden war. Die Fragestellung war, was das Lebensziel der Studenten dieser Top-Universität sei. Die für mich erschreckende und traurige Antwort war, dass über 90% mit „einem Leben voller Luxus“ geantwortet haben. Wir sehen dies auch tagtäglich, wenn wir betrachten, wie wir unser Geld und unsere Freizeit verbrauchen. Vieles von unserem Geld und unserer Freizeit wird doch fürs Ausgehen oder für andere egoistische Zwecke verschwendet. Viele arbeiten die ganze Woche für einen Lohn, um ihn dann am Wochenende wieder auszugeben.

Ist es wirklich das, was wir wollen, sind das unsere Ideale für das Leben? Wollen wir wirklich im Alter auf unser Leben zurückschauen und feststellen müssen, dass wir unsere Fähigkeiten, unsere kurze Lebenszeit verschwendet haben? Aber lassen wir mal unsere Freizeit beiseite. Wie oft denken wir an andere Menschen, wie oft versuchen wir Anderen zu helfen und ihnen Gutes zu tun, wie oft verzichten wir auf etwas zugunsten unserer Mitmenschen? Und wie oft denken wir nur an uns, versuchen nur uns selbst Gutes zu tun und uns zufriedenzustellen und sorgen uns nur um unseren eigenen Erfolg?

Es ist die Aufgabe des Menschen, seine Fähigkeiten primär für andere Menschen zu nutzen und nicht für sich selbst. Das ist G”ttes Wille. Praktisch kann man das auf verschiedenste Weise tun. Sei es nur durch ein Lächeln oder durch Zuhören und Anteilnahme, wenn ein Mensch von seinen Problemen berichtet, sei es durch ein gutes Wort, um jemanden aufzumuntern, sei es durch finanzielle Hilfe für einen Mitmenschen oder auch, indem wir auf etwas aus vollem Herzen zugunsten eines Anderen verzichten. Wie können auch jede Gabe und jede Fähigkeit an unsere Mitmenschen weitergeben oder sie in ihnen fördern. Wir müssen es nur wollen, aber dann auch tun.

Es ist mit dieser Schuld, nämlich dem falschen Einsetzen unserer Fähigkeiten, unserer Zeit, des ganzen Potentials, das wir bekommen haben, mit der wir am Jom Kippur vor G”tt stehen und um Verzeihung bitten. Es ist diese Sünde, für die wir Kappara (Sühne) brauchen. Ein Hauptmerkmal am Jom Kippur ist der Verzicht auf jeden sinnlichen Genuss. Es ist verboten, an diesem Tage zu essen, zu trinken, sich zu waschen, den Geschlechtsverkehr auszuüben etc. (siehe für genauere Vorschriften: Halachot für das Jom Kippur-Fest).

Die Kappara soll den Schuldigen vor den Folgen seiner Schuld schützen. Das Genussverbot und das Verbot, Arbeit zu verrichten zusammen mit dem Sündenbekenntnis, bei dem wir ehrlich bekennen müssen, dass wir unsere Gaben und Kräfte falsch eingesetzt haben, dient dazu, Sühne vor G”tt zu erzielen.

Es ist nicht einfach, sich zu ändern. Es ist nicht einfach, die eigenen Bedürfnisse hintanzustellen und sich auf andere Menschen zu konzentrieren. Es ist nicht einfach, für Andere seine Kräfte und Zeit hinzugeben und oft keine Anerkennung dafür zu bekommen. Man hat das Gefühl, den Kürzeren zu ziehen, dabei zu verlieren. Es ist aber auch schwer, den ganzen Tag zu fasten, nichts zu essen und nichts zu trinken. Man fühlt sich schwach, verletzlich und abhängig. Dennoch schaffen wir es jedes Jahr und fühlen uns dadurch erhoben und rein. Am Jom Kippur erfahren wir direkt, wie es möglich ist, seine Gewohnheiten zu brechen, sie zu ändern. Mit dieser Erfahrung müssen wir einen Neuanfang machen und unser Leben auf die richtige Bahn schieben.

Das Allerwichtigste dabei ist es, in kleinen Schritten vorzugehen. G”tt verlangt nicht von uns Menschen, die Welt an einem Tag zu erobern, sondern wir müssen die Leiter langsam und vorsichtig Schritt für Schritt hinaufsteigen. Die größten Dinge in unserer Welt, ja sogar der Weltraum selbst, sind aus kleinsten Atomen zusammengesetzt, die wiederum aus einer großen Zahl weiterer Bausteine bestehen. Alles Große besteht aus vielen kleinen Bestandteilen.

Der erste Schritt, um unser Leben in eine neue Bahn zu lenken, besteht darin, dass wir einerseits unser eigenes Potential und andererseits auch die Größe und Wichtigkeit eines jeden Juden in den Augen G”ttes erkennen. Dies wird uns helfen und motivieren, unsere individuellen und einzigartigen Fähigkeiten nach G”ttes Willen zu nutzen und damit unserer Aufgabe und Verantwortung als Mensch gerecht zu werden.

 
 
Joomla 1.5 Templates by Joomlashack