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Ehre Deine Eltern

Aus der Serie: Die Abenteuer eines Baal Tschuwa

Wenn man sich als Baal Tschuwa zum Systemwechsel entschieden hat, geht es nun darum, dieses neue Regelwerk in sein Leben einzubauen. Das ist wirklich keine leichte Sache, denn im vorigen Leben hatte man so gut wie keine Gesetze, die das Privatleben beeinflussten. So steht man plötzlich vor einem Wald voller Mizwot, wo vorher überhaupt nichts war. Hinzu kommt, dass Regeln im liberalen westlichen System mit Skepsis betrachtet werden, der bekannte Spruch aus Hollywood-Filmen: "Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden", klingt sehr cool, aber passt überhaupt nicht mehr ins neue Verständnis eines Baal Tschuwa.

Warum also nimmt ein jüdischer Westler diese neuen Regeln auf sich, die ja viel mehr als nur 613 Gebote beinhalten, vor allem eine ganz neue Einstellung zum Leben? Die Gründe dafür sind zweierlei: einerseits muss man vom alten Weltbild abgestoßen sein, oder ihm zumindest kritisch gegenüber stehen. Andererseits muss man vom neuen System angezogen werden, denn es gibt ja neben dem Judentum noch viele andere, konkurrierende Philosophien. Jeder hat seine eigenen Gründe, die ihn zum Systemwechsel gebracht haben. Mir gefiel besonders der neue Ausblick auf den Sinn des Lebens, den das Judentum bietet. Denn im Vergleich zur atheistischen Sicht ist der Mensch der Tora zu einem bestimmten Zweck erschaffen worden und nicht zufällig entstanden. Hier steht also eine gewollte Schöpfung einer zufälligen Laune des Universums gegenüber. Man könnte das mit einem Bild wie der Mona Lisa vergleichen, die einem zufälligen Tintenklecks gegenübersteht. Was schöner ist, ist leicht zu erkennen.

Ein Teil des Glaubens an den jüdischen Gott, das was die Mona Lisa schöner als den Tintenklecks erscheinen lässt, ist die Erkenntnis, dass man nicht mehr vom Affen abstammt. Das ist eine wahre Erhöhung des Selbstbewusstseins, der Mensch ist die Krönung der Schöpfung, die Verbindung Gottes zur materiellen Welt, sein liebstes Kind, aber auch in der Verantwortung für die Welt. Diese neue Einstellung ist natürlich viel schöner als die alte, die wie beim Affen lediglich auf Überleben und Fortpflanzung ausgerichtet ist. Das neue Weltbild hat aber nicht nur philosophische, sondern auch ganz handfeste Auswirkungen auf das tägliche Leben. Die folgende Geschichte verdeutlicht dies:

Ein älterer Rabbi flog einmal von Amerika nach Israel. Während des Flugs kam dauernd ein junger Mann angelaufen, der den Rabbi immer wieder fragte, ob es ihm gut gehe, ob er noch etwas benötige und ob er etwas für ihn tun könne. Eine ältere amerikanische Frau, die neben dem Rabbi saß, fragte ihn verwundert, wer dieser junge Mann sei und warum er sich so um ihn kümmere. Der Rabbi antwortete, dass es sein Enkel sei, der mit ihm nach Israel flog und etwas zu sehr um das Wohl seines Großvaters besorgt war. „Das ist ja mal etwas Neues," rief die Frau, „meine Enkel wollen noch nicht einmal mit mir sprechen, sie rufen nie an, und wenn ich mich ab und zu melde, sind sie zu beschäftigt für mich." Der Rabbi konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er ihr erklärte, warum sie in dieser Situation war: „Gnädige Frau, es ist ganz einfach. Aus Sicht Ihrer Enkel sind Sie und Ihre Generation näher am Affen, von dem sie glauben abzustammen. Ihre Enkel stellen also eine höhere, überlegene Entwicklungsstufe dar, die weiter vom Affen entfernt ist. Aus jüdischer Sicht ist es genau anders herum, ich bin zwei Generationen näher an dem größten Ereignis der Weltgeschichte, als unseren Vorfahren die Tora am Sinai gegeben wurde. Das ist eine Quelle großen Respekts für nachfolgende Generationen, genauso wie die Tatsache, dass ich mit meinem Wissen der Tora eine Autorität in Fragen des Lebens darstelle. Meine Nachfahren schauen also zu mir herauf, weil ich dem göttlichen Ursprung näher bin, während Ihre Nachfahren auf Sie hinabschauen, weil Sie einen Ursprung repräsentieren, der eine Amöbe in einer zufälligen Ursuppe war."

Wie die alte Dame auf diese Erklärung des Rabbis reagiert hat, ist mir nicht bekannt, aber hätte sie ihre Kinder und Enkel in der Ethik der Tora erzogen, würde sie theoretisch eine bessere Beziehung zu ihren Nachkommen haben. Wenn man jedoch schon nach den Mizwot lebt oder auf dem Weg dorthin ist, hilft diese Geschichte das Gebot zu erfüllen, das von uns verlangt unsere Eltern zu ehren. Viele Baale Tschuwa, die ich kenne, kommen nicht gerade aus Bilderbuchfamilien, und wenn man schon nicht viel findet um seine Eltern zu ehren, dann hat man zumindest den Grund, dass sie näher an der großen Generation von Moses sind.

Hier sieht man auch, dass die Mizwot keine Bürde, sondern eine Hilfe für ein glückliches Leben sind. Das Gebot seine Eltern zu ehren ist ein ziemlich hoher Anspruch, aber dass es ein guter ist, steht außer Zweifel. Genau so wie die Tatsache, dass ich lieber das Werk eines großen Künstlers bin als ein zufälliges Produkt. Ein Jude steht also zwischen der göttlichen Mona Lisa und einem Tintenklecks, und man muss schon ein ziemlicher Affe sein, um sich für den Tintenklecks zu entscheiden.

 
 
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