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Über Musik hören und Schlittenfahren in Israel

Aus der Serie: Die Abenteuer eines Baal Tschuwa - Schlittenfahren in Israel

Hatten die Menschen in Zeiten, bevor es Radio, CD, MP3 gab, auch immer Melodien im Kopf? Im Omer, in dem man keine Musik hört, habe ich erst wieder bemerkt, dass mir dauernd Melodien im Kopf herumschwirren. Da ich sie nicht hören konnte, und ich höre normalerweise den ganzen Tag lang Musik, hefteten sich meine Gedanken an jeden Schnipsel Musik, den ich zu hören bekam.

Die Dudelmusik im Supermarkt blieb mir manchmal den Rest des Tages im Kopf, oder mir fielen plötzlich alte Kinderlieder wieder ein, die ich schon seit Jahren nicht mehr gehört hatte und die jetzt unaufhörlich ihre Runden in meinem Kopf drehten. Ich glaube, wenn Musik von außen kommt, muss mein Gehirn sie nicht selbst erstellen, und ich bin nur dann fähig nachzudenken. Denn wann immer ich während des Omer nachdenken wollte, antwortete mein Gehirn mit: „Wenn ich dich heut erwartet hätte, hätt ich Kuchen da, Kuchen da....“ oder ähnlichem Schwachsinn.

Wie schön ist es jetzt wieder Musik zu hören! Nicht nur arbeitet mein Kopf wieder, auch ist meine Stimmung viel besser, wenn der Beat aus meinen Boxen schlägt und mein Kopf im Takt nickt. Hier zeigt sich ein Prinzip des Judentums, das ich einerseits sehr anstrengend, aber auch befriedigend und erfüllend finde. Ich nenne es das „Berg und Tal Prinzip“, man kann es sich so vorstellen, dass man seinen Schlitten einen verschneiten Berg hochzieht, um dann wieder herunter zu fahren. Das Hinaufziehen ist anstrengend und macht nicht besonders Spaß, aber das Herunterfahren ist der Sinn des Ganzen und ist ein super Gefühl. So auch im Omer, wo man trauert und dadurch die Freude nach dieser Phase umso größer macht. Dieses „Berg und Tal Prinzip“ zieht sich durch das ganze Judentum, und wenn man genau hinschaut, auch durch die ganze Welt. Man findet es in Tag und Nacht, in gut und schlecht, im Schabbat und in der Woche, in den Jahreszeiten, in den Feiertagen, im Fasten und wo man sonst noch hinschauen möchte.

Dabei ist es jedoch sehr wichtig, dass der Mensch dazu gezwungen wird Schlitten zu fahren. Aus meinem vorigen Leben ohne religiöse Regeln weiß ich, dass ich nie auf die Idee gekommen wäre zu fasten oder einen Tag keinen Strom zu benutzen, vor allem nicht einen Monat keine Musik zu hören. Auch jetzt, wo ich motiviert bin die jüdischen Regeln einzuhalten und auch intellektuell von ihren Vorteilen überzeugt bin, fällt es mir oft schwer sie einzuhalten, einfach weil ich zu faul bin den Schlitten hinaufzuziehen.

Dieses Auf und Ab im Judentum ist eine wirklich gute Sache. Es macht das Leben viel interessanter, denn einerseits hat man oft Gelegenheit Schlitten zu fahren und andererseits kann man den Hügel hinaufsteigen, mit der Gewissheit, dass es irgendwann wieder abwärts geht und das Leben leichter wird. Man kann also immer glücklich sein, weil man entweder die Freude der Schlittenfahrt oder die Vorfreude darauf hat. Ein nicht religiöser Mensch hat diese Aspekte kaum in seinem Leben, er tut das, was er für richtig hält, was meistens das ist, worauf er gerade Lust hat. Er wird also Anstrengungen vermeiden und die Spannungskurve seines Lebens wird weniger wellenförmig, sondern eher gerade sein. Wer aber doch spüren möchte, dass er lebt, und kein Sklave seiner Arbeit oder seines sozialen Umfelds sein möchte, der sucht das Leben in Aktivitäten, die nicht immer produktiv sind.

Mein Weg war noch relativ harmlos, ich bin einfach immer auf Reisen gegangen, wenn mein Unbehagen in der Kultur zu groß wurde. Für einige Monate war ich in irgendeinem Entwicklungsland verschollen, was nicht gerade gut für meine Karriere war, da man nie so lange Urlaub vom Job bekommt und vor Reiseantritt kündigen muss (eines meiner Reiseabenteuer kann man hier nachlesen: www.selutin.de). Jetzt brauche ich meinen Rucksack nicht mehr zu packen, wenn ich verreisen möchte, denn als religiöser Jude habe ich immer wieder Herausforderungen vor mir, die man durchaus auch Reisen nennen kann, die jedoch spiritueller Natur sind. Mit meinem neuen Wissen über das Leben und die Welt sieht die Landkarte der Erde plötzlich ganz anders aus, denn es stellt sich heraus, dass nicht die Schweiz, sondern Israel der beste Ort zum Schlittenfahren ist.

 
 
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